Wie Trage ich richtig?

 

‘Richtig’ oder ‘falsch’ ist immer Auslegungssache. Wichtig ist, dass es dem Kind und dem Tragenden dabei gut geht, dass beide es bequem finden und sich wohl fühlen. Nähe und Geborgenheit sind das Wichtigste. Dennoch gibt es ein paar Punkte, die man beim Tragen beachten sollte.

Was muss ich beim Tragen besonders beachten

Fragen und Antworten

 

Was sollte ich beim Tragen besonders beachten?

Da der Rücken am Anfang noch sehr empfindlich ist und niemals zusammensacken darf, ist eine besonders gute Abstützung gerade im Schlaf vonnöten. Daher sollte sich das Tragetuch oder die Tragehilfe wie eine Bandage um das gesamte Kind schmiegen.

Es gibt vier Hauptpunkte, die man beim Tragen beachten sollte und die für Tragetücher und Tragehilfen jeglicher Art gültig sind.

1. Atmung

Am Wichtigsten ist die Atmung. du solltest sicherstellen, dass dein Baby ausreichend Sauerstoff bekommt, während du es trägst. Die ausgeatmete Luft darf kein sogenanntes CO2-Nest bilden. Sei auch mit Jacken, Schals, Mützen und Kopfstützen vorsichtig.

2. Stützung

Falls Dein Baby seinen Kopf noch nicht selbstständig halten kann, sollte es durch eine Kopfstütze gestützt werden. Auch bei größeren Kindern, die zwar schon selbstständig umher blicken können, solltest du beachten, dass sie gut gestützt sind, so dass sie beim Schlafen den Rücken runden können, ohne dass sie in sich zusammen sacken.

Mit einer ganz einfachen Kopfstütze, wie sie bei den meisten Tragen vorhanden ist, kannst du vermeiden, dass der Kopf nach hinten fällt. Das kann bei Neugeborenen oder schlafenden Kindern vorkommen. Tipp: Falls deine Trage keine Kopfstütze hat, dann kannst du auch eine kleine Mullwindel ein wenig aufrollen und als Stütze nutzen.

3. Anhock-Spreizhaltung

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Anhock-Spreizhaltung (ASH), die für die Hüft- und Gelenkentwicklung eine große Rolle spielt. Du solltest beim Tragen darauf achten, dass die Anhockung ca. bei 110° liegt und auch die Beine des Babys ungefähr 60-90° gespreizt sind. Das ist meistens die ganz natürliche Haltung die Dein Kind einnimmt, wenn es auf dem Rücken liegt. Die Knie sind ungefähr auf Bauchnabelhöhe und die Beine bilden ein ‘M’.

4. Steg

Um die obengenannte ASH einzunehmen, ist es wichtig, dass der Steg der Tragehilfe richtig eingestellt wird. Der Steg sollte von Kniekehle zu Kniekehle gehen und dabei die Beinchen gut stützen. So wird vermieden, dass es zu einer Überspreizung kommt oder dass das Kind nur in der Tragehilfe hängt.

Alle Tragehilfen die du in unserem Shop kaufen kannst erfüllen die hier angesprochenen vier Punkte.

 

Fragen und Antworten


Kann ich mein Baby nach vorne gerichtet tragen? 

Babys sollten nie nach vorn gerichtet getragen werden, auch wenn das eine Zeit lang oft in Werbung und TV so gezeigt wurde. Das hat zwei wichtige Gründe: Reizüberflutung und falsche Haltung.

Kleine Kinder sind noch sehr empfindlich was neue Eindrücke angeht. Vieles erleben sie zum ersten mal und dementsprechend aufregend ist ihr Alltag. Wenn ein Kind nun vor dem Bauch in ‘Fahrtrichtung’ getragen wird, wird es mit den äußeren Eindrücken förmlich überhäuft und kann sich nicht verstecken. Das ähnelt dem Gefühl, wenn man im Kino in einem Actionfilm ganz vorn in der ersten Reihe sitzt, ohne sich wegdrehen zu können.

Des weiteren wird bei dieser Position der Rücken durchgedrückt und das Baby kann ihn nicht in die natürliche Rundung bringen. Die für die Hüftentwicklung wichtige Anhock-Spreizhaltung kann bei dieser Trageweise auch nicht eingenommen werden.

Wenn du aber mit der Zeit merkst, dass dein Kind auch sehen möchte, was du siehst und anfängt sich umzusehen, dann kannst du es einfach auf dem Rücken tragen. Dort kann der Rücken des Kindes sich einrunden wie es empfohlen wird.

 

Meine Trage ist noch etwas zu groß für mein Baby. Gibt es eine Möglichkeit sie besser anzupassen?

Wenn dein Kind noch gar nicht in die Trage passt ist es besser sich eine Zwischenlösung zu suchen. Eine deutlich zu große Trage bietet einfach nicht die nötige Sicherheit und ist auch unbequemer für Kind und Tragenden.

Es gibt aber bei einigen Tragen die Möglichkeit mit Hilfe des Bauchgurtes das Rückenteil etwas besser anzupassen. Man kann diese Methode mit dem Anlegen einer Schürze (engl. Apron) vergleichen, daher wird dies auch Apron und Non-Apron genannt.

 

Ist die Belastung denn nicht zu viel für meinen Rücken?

Beim Tragen entwickelt sich die Muskulatur des Trägers mit dem Bedarf. Das ist wie beim Sport, wo sich die Muskeln je nach Beanspruchung mit der Zeit aufbauen. Man trägt ja in der Praxis nicht sofort ein 10kg schweres Baby, sondern gewöhnt sich langsam an das Tragen und baut die Muskulatur so nach und nach auf.

Auch für den eigenen Rücken ist das Tragen gesund. Durch eine richtig angelegte Tragehilfe oder ein richtig gebundenes Tragetuch wird eine gerade Körperhaltung eingenommen und das Baby liegt fest am Körper des Tragenden. So kannst du vermeiden, dass es zu einer einseitigen Belastung kommt, die auftreten kann, wenn du dein Kind dauerhaft auf nur einer Hüftseite hältst (Rechtshänder tragen ihre Kinder ohne Tragehilfe tendenziell viel öfter auf der linken Hüfte).

 
Bild freundlich zur Verfügung gestellt von der Trageschule Hamburg.
 

 

Mein Baby möchte nicht getragen werden und schreit - mache ich etwas falsch?

Manche Kinder wirken unzufrieden in der Tragehilfe oder im Tragetuch, lassen sich aber dennoch sehr gerne auf dem Arm tragen. Das kann viele Ursachen haben.

Vielleicht hat dein Kind eine Blockade, die nur ein Ostheopath erkennen kann. Vielleicht muss es groß machen und möchte sich in der Haltung nicht beschmutzen. Vielleicht durchlebt es gerade einen Schub. Vielleicht ist es unzufrieden mit der Position und kann nicht genug sehen. Vielleicht findet es gerade diese Tragehilfe aus diversen Gründen unbequem. Vielleicht mag es die Enge in der Tragehilfe nicht.

Wir versuchen, an keiner Stelle dogmatisch zu sein. Manchmal müssen individuelle Lösungen gefunden werden,  die anders als im Lehrbuch beschrieben sind. In solchen Fällen empfehlen wir dir jedoch, eine qualifizierte Trageberaterin zu Rate zu ziehen.